Freitag, 8. März 2013

Die Eiche

Eiche mit Früchten: Foto: Leo Michels
Die Eiche - man nennt sie u. a. auch Deutsche Eiche - gehört zur Familie der Buchengewächse. Sommereichen blühen von April bis Mai.

Als Heilwirkung werden der Eiche zugeschrieben: wundheilend, gewebefestigend, blutstillend, entzündungshemmend, verdauungsregulierend, beruhigend, entgiftend, stärkend.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind Urkraft, Ewigkeit, Fruchtbarkeit, Schutz und Gastfreundschaft, Standhaftigkeit.

Die Blumensprache des Laubes sagt: "Lorbeer den Helden - dem Liebenden der Liebe einfachen Schmuck." An anderer Stelle: "Mein Wille ist unerschütterlich."

Die Eiche (Quercus) hat Blüthen getrennten Geschlechts, jedoch auf einem Baume beisammen; die Frucht ist bekanntlich eine Nuß, welche unten mit dem holzig gewordeneu Kelche umgeben ist, worin sie wie in einem Schüsselchen sitzt. Die Eichbaume sind die Zierden unserer Wälder; besonders flößen die folgenden beiden Arten durch die Größe ihres Wuchses und durch das Alter, welches sie erreichen, Ehrfurcht ein:


  1. Die Edel-, Stiel-, oder Sommer-Eiche (Q. peduneu lada), welche langgestielte große Früchte trägt, aber nur ganz kurzgestielte Blätter hat. 
  2. Die Winter- oder Stein-Eiche (Q. Robur), welche ungestielte, gehäuft beisammen sitzende kleinere Früchte und gestielte Blätter trägt.

    Diese beiden Arten erreichen erst nach 200 Jahren ihre Vollkommenheit, werden über 500 Jahre alt, oft über 130 Fuß hoch, und der Stamm bisweilen von einer Dicke, daß er 30 Fuß im Umfange mißt; doch soll die Steineiche seltner diese Größe erreichen. Sie geben sehr gutes, dauerhaftes Bauholz; auch zu vielen Geräthschaften ist das Eichenholz vortrefflich, weniger taugt es zum Brennen; die Rinde, Blätter und Sägespäne dienen zum Gerben, die Eicheln nicht bloß zur Schweinemastung, sondern auch geröstet als ein gesunder Kaffee für den Menschen; die Kelche der Eicheln können zum Färben gebraucht werden.
  3. Die weichhaarige Eiche (Q. pubescenz), deren Blätter unterhalb mit weichen Haaren bekleidet sind, findet sich in Böhmen, Mähren, Oesterreich und wahrscheinlich auch noch sonst in Süd-Deutschland. 
  4. Die östreichische Eiche (Q. austriaca), welche durch die spitzigen Lappen der Blätter ausgezeichnet ist, wächst in Krain, Kärnthen, Oesterreich und Steiermark. 
  5. Die immergrünende Eiche (Q. Ilex), welche eigentlich den wärmern Ländern von Europa angehört, aber doch auch schon im südlichen Tyrol und in Krain häufig sich findet, bat kleine ungelappte (nur mehr oder weniger gesägte), hellgrüne, lederartige Blätter, welche auf der Unterseite einen graulichen Filz haben, und über den Winter nicht abfallen; dieser Baum erreicht aber keine ansehnliche Größe.
(Quelle: Populäre Botanik: oder, Fassliche Anleitung zur Kenntniss der Gewächse, Bd. 1 Christian Ferdinand Hochstetter)

Gedichte

An die Eiche. 

Unter deine heiligen Eichen,
Mein geliebtes Vaterland!
Wälzte jüngst des Feindes Hand.
Deiner Söhne hlut'ge Leichen;
Und des Friedens goldner Traum
Wich von deinen Blumenmatten,
Nur des Todes bleiche Schatten
Zogen durch den wüsten Raum.

Grünt ihr wieder, deutsche Eichen?
Hebt ihr euer stolzes Haupt,
Mit dem Siegesschmuck umlaubt,
Ueber unsrer Brüder Leichen?
Beut ihr dar dem Vaterland'
Eures Laubes heilge Kronen,
Um den deutschen Mann zu lohnen,
Der den Tod im Kampfe fand?

Grünt und blühet, deutsche Eichen!
Unsrer Väter Schutz und Hort,
Grünt und blühet fort und fort
Ueber unsrer Brüder Leichen.
Rauscht es spät der Enkelwelt
Mahnend zu aus euren Zweigen,
Deutscher Thaten greise Zeugen:
Hier entschlief ein deutscher Held!

(I. D. Symanski)

An die Eiche. 

Unter dieser Eiche laßt euch nieder,
Brüder, seht, hier ist das Mahl bereit:
Trinkt und singt, das erste eurer Lieder,
Sey der Wälder Königin geweiht!

Dir gebührts vor allen, Riesenreiche!
Wunderkind der prächtigen Natur,
Kein Geschöpf im ganzen Pflanzenreiche
Trägt, wie du der Allmacht hohe Spur.

Wer vermag der Jahre Zahl zu nennen,
Die dich auf zum Himmel wachsen sah:
Wer in dunkler Vorzeit zu erkennen,
Was mit dir und um dich her geschah?

Hermann hat vielleicht vom Waffentanze
Einst in deinem Schatten ausgeruht:
Träufelnd von des Siegers Schwert und Lanze,
Netzte dich der stolzen Römer Blut.

Jubelnd brachen seiner Sieger Scharen
Sich den deutschen Lorbeerzweig von dir;
Letzten sich an deiner Frucht und waren
Aermer zwar, doch glücklicher als wir!

Du Vielleicht hast einst den Saft bereitet,
Der aus Luthers mächt'ger- Feder floß:
Und, durch seiner Schüler Kiel geleitet,
Glück und Segen auf die Menschheit goß.

Zahllos ist des edlen Wildprets Menge,
Das sich feist geäßt an deiner Frucht;
Zahllos stehn in herrlichem Gedränge
Millionen Kinder deiner Zucht.

Selbst nach deinem Tode wirst du leben,
Umgewandelt durch des Künstlers Hand:
Wirst, ein Kriegsschiff durch die Fluten schweben,
Schrecken bringend bis zum fernsten Strand.

Dienst dem Britten, der mit stolzen Blicken
Sieggewohnt der Meere Scepter hält;
Oder trägst auf deinem kühnen Rücken
Den Entdecker einer neuen Welt.

Rufest einst, wie ihre Kinder alle,
Die Natur auch uns zur Ruh' ins Grab,
Und hat dich die Axt erreicht; so falle
Auch für uns zum Sarg' ein Brettchen ab!
(Bunsen.)
Philipp Ludwig Bunsen (* 5. September 1760 in Arolsen; † 13. September 1809 ebenda) war Regierungsrat und Schriftsteller. (Quelle: Wikipedia)

Die Eiche.

Nicht den Lorbeer, der in ferner Zone
An des Römers Marmorurne sprießt,
Oder der sich stolz zur Siegeskrone
um die Scheitel fremder Krieger schließt;

Nicht Cytherens*) blüthenreiche Myrthe,
Die den Busen junger Nymphen schmückt,
Oder die der königliche Hirte
Einst in Ida's**) stillen Hain geplückt;

Nicht die schlanken traubenreichen Reben,
Nicht die Palme, die der Eintracht blüht,
Nicht die Zeder will ich heut' erheben
Dir nur, Eiche, singt mein kühnes Lied,

Im geweihten Dunkel deiner Schatten
Saßen einst mit blutgetränkter Hand
Helden, die den Sieg errungen hatten.
und gekämpft für's freie Vaterland;

Ruhten dann in deines Laubes Kühle,
Sangen dann bei hellem Sternenklang
In der Barden heil'gem Saitenspiele
Ihren jubelvollen Siegsgesang;

Flohen Varus stolze Regionen
Flocht aus deinem breiten Laub die Hand
Deutscher Mädchen dem Geliebten Kronen
Der den Römer segreich überwand.

Und, gelehnt an deinem Slamme, ruhte,
Neben sch den abgebrocbnen Speer,
Der Verwund'te, und mit feinem Blute
Tränkt' er deine Wurzel rund umher.

Unter deinem Schatten fchwur Thusnelden
Hermann einst geweibter Liede Bund,
Und das Lob zu früh gefall'ner Helden
Machten hier erhab'ne Barden kund.

Doch es kam des Auslands falsche Sitte,
Und verschwunden war die goldne Zeit;
Zwar zum Palast ward die kleine Hütte,
Aber Treue fioh' und Tapferkeit.

Unsre Krieger duften nur von Narben,
Unsre Helden dürsten nur nach Raub,
Feile Lorbrern heischen unsre Barden,
Aber keiner edles Eichenlaub.

Ach, in ihren Liedern glüht kein Feuer,
Das zu Tbaten Heere einst berauscht,
Und die ernste feierliche Leier
Haben sie um falschen Witz vertauscht.

Unsre Weisen snd zn Schwätzern worden,
Unsre Helden ringen nur, voll Neid
Nach dein Flitterglanz von einem Orden,
 Und verschmähen die Unsterblichkeit.

Wer an Tugend glaubet, hascht nach Träumen
Denn Verdienste schätzt man nur nach Gold,
Tausend sah'n der Oder Fluthen schäumen,
Und  nur Einer starb wie - Leopold!

Wenig Edle trauern nur verschwiegen,
Der Verfolgung und des Neides Raub.
Sterben hin im stummem Mißvergnügen
Und verwelken wie dein dürres Laub;

Wünschen ihren trägen Stunden Flügel
Bald ein Ende dem verhaßten Traum,
Und auf ihrem kalten Todtenhügel
Deinen Schatten, königlicher Baum!

Ja, du sollst nur ihrer Gruft entsprießen,
Dann verweilt bei die des Wandrers Schritt,
Ahndend, daß er unter seinen Füßen
Tugendhafter Herzen Asche tritt.

Und er schwört, von Hochgefühl durchdrungen,
Edle Thaten auch, wie se, zu thun,
Um dereinst in deinen Dämmerungen
Stillbeweint und ehrenvoll zu rnh'n.

(Karl Müchler)


*) In der griechischen Mythologie ist Kythera neben Zypern die Insel der Aphrodite.

**) Ida = Berg auf Kreta

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