Sonntag, 24. März 2013

Das Sträußchen - Gedicht

Foto bunte Blumen
Blumen
Foto: pixabay

Das Sträußchen. 

Du, die erblüht in Prachtgeländen, 
Die Sprache der Natur verstand, 
Empfang aus deines Freundes Händen 
Ein Sträuschen, wie das Herz es band! 
Es füge mehr der schönen Stunden 
Den schönsten deines Frühkings bei! 
In dem Sinn ward es dir gebunden, 
Daß es des Lebens Bild dir fey. 

Die Unschuld wahr und heilig wohne, 
Wie diese Lilie so rein, 
Im Bnsen dir, die zarte Krone, 
Ob der sich Engel Gottes frcu'n!
Sie malt' ob dir mit Mutterpflege, 
Sie leite, deine Führerin.
Dich auf dem glatten Erdenwege 
Durch alle Schlangen glücklich hin! 

Statt stolzer, blendender Juwelen,  
Statt alles Prunks der Eitelkeit, 
Nimm hin die Blume beßrer Seelen, 
Das Veilchen der Bescheidenheit. 
Nicht locken will es, will nickt glänzen, 
Doch freundlich schmiegt sich's an die Brust, 
Und duftet in der Liebe Kränzen. 
Sich kaum des eignen Werths bewußt. 

Die heitre jugendliche Rose, 
Sie, deines frohen Lenzes Bild, 
Sey Bild von deinem späteren Loose; 
Wie sie, sey dieses schön und mild; 
Erquickungsvoll, wie ihre Düfte, 
Balsamisch, wie ihr edler Saft, 
Umweh'n dich alle Lebenslüfte 
Mit Frohsinn, Wohlgefühl und Kraft ! 

Der Himmel lächle deinen Tagen 
So hold wie das Vergißmeinnicht! 
Es möge dir die Farbe tragen, 
In der es so zum Herzen spricht! 
Auch unterm Schatten der Cypressen 
Vergißt nicht meine Seele dein. 
Kann Emma, kann sie mein vergessen? 
Es ruft, es ruft : — Vergiß nicht mein ! 

Die Hoffnung möge dich umschweben, 
Um deiner Pfade jeden blüh'n, 
Und Stärke deinem Geiste geben, 
Wie diesem Strauß das Immergrün! 
Es schlingt sich um die Blumenstengel 
Mit treuer Innigkeit herum. 
So halte dich der Hoffnung Engel; 
Dich tragend in Elysium. 

(J. R. Wyß d. ä.)

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